JOCHEN BIGANZOLI / REGISSEUR

SIMON BOCCANEGRA von Giuseppe Verdi

THEATER OSNABRÜCK


Musikalische Leitung: GMD Andreas Hotz

Bühne: Tilo Steffens

Kostüme: Veronika Lindner

Dramaturgie: Ulrike Schumann



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VERDI UND WAGNER

(...) Jochen Biganzoli zeigt den Dogen Boccanegra als utopische Figur, weniger Korsar, eher ein Künstler, der Politik und Empathie zu vereinen versucht.

Das Gegenbild zu ihm, den Künstler, der seine Umgebung ausnutzt und leersaugt, hat Jochen Biganzoli einen Abend zuvor in Bielefeld auf die Bühne gestellt, Tannhäuser.

Wie er bei Verdi politisches Räderwerk bloßlegt, präpariert er bei Wagner den seelischen Urgrund der Protagonisten heraus. Was er dabei fand, zeigt er in sensibel erfundenen, höchst überraschenden Vorgängen und Bildern.

(...)

Beide zufällig zeitlich korrespondierenden westfälischen Inszenierungen zeigen Jochen Biganzolis gesellschaftspolitisch-psychologisch genau analysierendes und somit erhellendes und gleichzeitig emotional bewegendes Musiktheater. (...)

DEUTSCHLANDFUNK, Musikjournal, 22.10.2015


„Kahle, graue Wände, Stühle, ein Thron: Jochen Biganzoli weiß sich aufs Nötigste zu beschränken. Die düstere Leere von Tilo Steffens’ Bühne wird am Theater Osnabrück gleichsam zum Sinnbild für Giuseppe Verdis düstere Oper ‚Simon Boccanegra‘ […]. So schließt sich der Kreis der Inszenierung; das Ende greift den Anfang fast wörtlich auf. Das verleiht dem Opernplot inhaltliche Geschlossenheit, und überhaupt findet der Regisseur zu einer stringenten Erzählweise. […]“

NOZ, 12.10.2015


(...) Regisseur Jochen Biganzoli erzählt in seiner Osnabrücker Inszenierung die tragischen Ereignisse aus einer endzeitlichen Perspektive, wobei die privaten Schicksalsschläge auf Kosten der parallel stattfindenden historisch-politischen Ereignisse in den Vordergrund gerückt sind. Es ist die erlittene Gewalt, die Gewissheit zu sterben und eine damit verbundene Entfremdung und Vereinsamung, wie Ingeborg Bachmann sie in ihren Gedichten thematisiert, die dem Opernabend seine besondere Tiefe geben. (...) Und wie sehr die poetischen Strömungen des Unterbewussten ihre eigene szenische Evidenz entfalten, wird deutlich, wenn bspw. vor Beginn des kleinen, gespenstisch flirrenden Orchestervorspiels zum ersten Akt das Ingeborg Bachmanns Gedicht „Fall ab, Herz“ erklingt. Das nächtliche Stelldichein von Amelia Grimaldi und ihrem Geliebten Gabriele Adorno erscheint plötzlich als assoziationsreiches Netz bzw. Nebeneinander von Wirklichkeit und Erinnerung, gefolgt von der toten Maria, die bis zum Schluss immer wieder als Projektion erscheint. (...)

Mit guten Solisten, einer nachdenklich stimmenden, anrührenden musikalischen und szenischen Interpretation des Verdi-Musikdramas gelingt dem kleinen Theater Osnabrück ein fulminanter, ganz eigener Einstieg in die Spielzeit.

OMM, 13. Oktober 2015


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