JOCHEN BIGANZOLI / REGISSEUR

ORPHEUS IN DER UNTERWELT von Jacques Offenbach

THEATER AUGSBURG


Musikalische Leitung: Karl Andreas Mehling

Bühne: Stefan Morgenstern

Kostüme: Michael S. Kraus

Dramaturgie: Juliane Votteler



MÜNCHENER ABENDZEITUNG, VOLKER BOSER, 15. NOVEMBER 2008

Des Gatten Gezirpe

Regisseur Jochen Biganzoli tat das einig Richtige: Er inszenierte keine Parodie der Parodie, sondern brachte die gesellschaftskritischen Attacken mit leichter Hand auf die Bühne. Am Schluss allerdings kennt er kein Pardon. Bei Offenbach findet es Eurydike toll, von Jupiter als Bacchantin engagiert zu werden. Hauptsache sie muss das Gezirpe ihres Angetrauten nicht mehr hören. In Augsburg wird Eurydike von den Machos Jupiter und Pluto erst ziemlich unsanft auf die Knie und dann ins Bett gezwungen, nahezu vergewaltigt, und das kann keiner emanzipierten Dame gefallen. Ansonsten zeigte Biganzoli die Welt so, wie sie der Komponist auf die Schippe nahm. In den antiken Gestalten lässt sich unschwer die vergnügungssüchtige Schickeria unserer Tage entdecken, geil, gelangweilt und nur dann hellwach, wenn die öffentliche Meinung (Kerstin Descher) nebst Kameramann auftaucht.


Dirigent Karl Andreas Mehling hatte federnden Rhythmus verordnet – und traf damit ins Schwarze. Die phantasievolle Choreographie von Dimas Casinha duldete keine Cancan-Biederkeit. Das gesamte Ensemble, voran Sophia Brommer (Eurydike), Christian Tschelebiew (Jupiter) und Roman Payer (Pluto), demonstrierte eindrucksvoll, wie effektvoll Pointen wirken können, wenn man sie ohne Übertreibungen setzt. Schon zur Pause rieb man sich verwundert die Augen. Dass sich eine Offenbach Operette auf deutsch (Text: Stefan Bausch, Jochen Biganzoli) so delikat und ganz ohne Holzhammer präsentiert, stimmt angesichts der zumeist verunglückten Versuche der Vergangenheit hoffnungsfroh.


Chapeau! Am Gärtnerplatz darf man ruhig ein bisschen neidisch sein.



BAYERISCHER RUNDFUNK, PETER JUNGBLUT, 14. NOVEMBER 2008

Natürlich, der Cancan ist das Erkennungszeichen dieser Operette, aber das ist vielleicht alles ein großes Missverständnis. Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach ist nämlich ursprünglich keine bonbonfarbene Revue für´s Ballett gewesen, sondern eine bitterböse Musik-Satire auf die Zustände der bürgerlichen Gesellschaft im Frankreich von 1858. Ein Zeitstück, voll politischer und sozialer Anspielungen, das die Tagesaktualität nicht scheute. Umso schwerer ist diese Operette, heute, 150 Jahre nach der Uraufführung, im Sinne des Komponisten glaubwürdig zu inszenieren. In Augsburg ist das über weite Strecken gelungen, denn Regisseur Jochen Biganzoli macht aus der launigen Geschichte vom unglücklichen Ehepaar Orpheus und Eurydike, das von der öffentlichen Meinung zur Versöhnung auf den Olymp geschickt wird, kein bunte Tanzshow, sondern ironisches Musiktheater. Das Ganze spielt in einem hohen, lichten Ballsaal, der in der Hölle auf den Kopf gestellt wird. Eine witzige Bildidee von Ausstatter Stefan Morgenstern.



AUGSBURGER ALLGEMEINE, RÜDIGER HEINZE, 15. NOVEMBER 2008

Auf jeden Fall gilt: Hingehen, anhören, ansehen!



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> Rezension zum Stück (Augsburger Allgemeine)

> Rezension zum Stück (Abendzeitung.de)

> Interview zum Stück (Der Neue Merker)

> Rezension zum Stück (Donaukurier)