JOCHEN BIGANZOLI / REGISSEUR

DER ROSENKAVALIER von Richard Strauss

LANDESTHEATER EISENACH


Musikalische Leitung: Tetsuro Ban

Bühne: Andreas Wilkens

Kostüme: Heike Neugebauer

Dramaturgie: Stefan Bausch



THÜRINGER ALLGEMEINE, WOLFGANG WICHT, 8. OKTOBER 2007
Das Fanal: "Rosenkavalier" in Eisenach

Jochen Biganzoli hat sich auf die menschlichen Beziehungen der Figuren konzentriert. Er bringt die inneren und äußeren Spannungen zwischen ihnen zum Knistern. Der erste Akt wird zu einer eindrucksvollen Szene des Abschieds vom Liebesglück zwischen der Feldmarschallin, einer reifen Frau (Maria Gessler mit eindringlichem stimmlichen Ausdruck), und ihrem jugendlichen Liebhaber Octavian (Miriam Sajonz mit angenehm abgedunkelten Mezzo).


Der zweite Akt zeigt neuen Anfang. Octavian und Sophie (Krista Kujala mit Kraft und Klarheit in den Höhenlagen) finden sich. Sie lehnen sich auf gegen den Willen des Vaters (stimmkräftig Roland Hartmann), der die Tochter im Tauschgeschäft Geld gegen sozialen Klassenaufstieg an den Baron Ochs von Lerchenau verehelichen will. Die "Kreuzerkomödi" des dritten Akts setzt Biganzoli als turbulentes bäurisches Marionettenspiel in Szene. Eine Farce mit Tiefgang. In die Mitte des Geschehens rückt Baron Ochs. Dario Süß verleiht ihm mit beweglicher, Abgrundtiefen erreichender Bass-Stimme das Gewicht eines Falstaff. Zum Schluss erscheint er in der Niederlage als Gewinner. Er kann erhobenen Hauptes die Szene verlassen, während die Marschallin, Octavian und Sophie die Ambivalenz ihrer Gefühlslagen auszubaden haben. Am Ende ihres anrührenden Terzetts schockiert ein unerwarteter Paukenschlag. Die traurige Versöhnlichkeit schlägt um in den szenischen Aufschrei der Künstler gegen die Politik. Drei Seuchenbekämpfer treten auf, deren weiße Kluft mit dem Kürzel EA bedruckt ist. Sie ziehen den Sängern die trefflich entworfenen Gewänder aus, so dass sie entblößt in Unterwäsche dastehen. Dann sprühen sie die völlig entleerte Bühne (Andreas Wilkens) mit Desinfektionslösung aus. Zum entrückten musikalischen Wohlklang des Schlussduetts Octavian-Sophie kommen alle Darsteller in Zivilkleidung auf die Bühne. Drei von ihnen decken (solidarisch) ihre Jacketts auf die Schultern der Bloßgestellten. Schließlich lodert quer über die Bühnenrampe ein Feuerband auf. Der Eiserne Vorhang senkt sich nieder.



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