JOCHEN BIGANZOLI / REGISSEUR

AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY

von Bertold Brecht und Kurt Weill

STADTTHEATER PFORZHEIM


Musikalische Leitung: Jari Hämäläinen

Ausstattung: Uta Fink

Dramaturgie: Dr. Frank Nolte / Beate Bucher-Heller



PFORZHEIMER ZEITUNG, 7. FEBRUAR 2005
Vom clownesken Spiel zur Passion 

Eine Flut überzeugender Bilder bot die gelungene Premiere im Theater Pforzheim. (...) So ist es dem Regisseur Jochen Biganzoli hoch anzurechnen, dass er weitgehend auf platte Aktualisierungen verzichtet, eine distanziert-spielerische Annäherung an Brecht/Weills Meisterstück sucht, die er erst im Finale aufbricht. (...) Mahagonny, dieses Sinnbild des Kapitalismus, wie Brecht und Weill ihn sahen, ist in Pforzheim ein Ort hinter Stacheldraht, vor dessen Betreten die Besucher sich erst ein clowneskes Grinsen aufschminken lassen müssen. Drinnen ähnelt der Ort zuerst einem All-inclusive-Ressort mit Besuchern, die Wichtelmänner-Mützen tragen. (...) Im von der Buntheit der vorhergehenden Szenen befreiten, ganz in Schwarz gehaltenen Finale zeigt sich die Inszenierung beklemmend eindeutig.(...)



PFORZHEIMER KURIER, 7. FEBRUAR 2005

(...) Dem Regisseur Jochen Biganzoli gelingt eine sehr lebendige Personenregie, und er schafft immer wieder starke, hintergründige Bilder. (...)



ENZTÄLER, 7. FEBRUAR 2005

(...) Insoweit ist Regisseur Jochen Biganzoli mit seinen sehr drastischen, frivolen Bildern nur konsequent. Die clownesken Einfälle untermalen den Witz der Oper, die eindringlichen, intensiven Szenen, die überdeutlichen Farben scheinen der scharf pointierten, fast grotesken “Sittenschilderung” gerecht zu werden. Und wenn “Mahagonny” Synonym für spießiges, gefährlich kleinkarriertes Denken ist, dann ist Biganzolis Regie-Gag, die Figuren zwischendurch als Gartenzwerge auftreten zu lassen, plakatives Symbol für die gut gemütliche engstirnige (Klein)Bürgerlichkeit. (...) Zu originellen Stilmitteln und Bezügen in die Gegenwart greift Jochen Biganzoli bei seiner Inszenierung(...). Er nutzt bei seinen drastischen Bildern die technischen und räumlichen Möglichkeiten des Stadttheaters und setzt starke, fesselnde Szenen. In dem variablen Bühnenbild, das den intensiven Assoziationen Spielraum gebend unterstützt, und mit zum Teil schrillen Kostümen entwickelt sich ein einfallsreiches groteskes Spiel. (...)



ART:PORT - KULTUR, 7. FEBRUAR 2005

Fressen und gefressen werden... 

(...) Das Pforzheimer Theater modifiziert hier ein Repertoire der Träume und Alpträume des Menschen-Gegeneinanders zu wahrem Welttheater: schrill, grell, bunt, verletztlich, hysterisch, grausam, hinterhältig, lüstern, eifersüchtig, liebestoll, sexgeil, geldgeil mörderisch, zerstörerisch... In der genialen Inszenierung von Jochen Biganzoli: der geradezu traumhaft bis traumatisch uns s/eine Polarisation des alltäglichen Wahnsinns offeriert und offenbart, werden wir in einer zeitlosen Rakete durchs Universumn unserer Existenzen und Exszesse atomisiert. Und genauso leben und (er)starren wir am Abgrund - außer Kontrolle und doch in allem kontrolliert und konserviert vom Prinzip des Habenwollens, der unsäglichen Gier. (...)

In kaum sich satt zu sehenden zudem seelischen Kostümierungen und Maskeraden und den vielfältig ebenso auch geistreichen Architekturen der Bühne, des Inszenatorischen: durchwirbelten unseren Geist und Sinne ein hochintellektuelles und dramenexplosives Meisterwerk. (...)

So traumhaft, dass dabei die Moral der Geschichte fast schon wieder vergessen werden könnte: doch darin steckt vielleicht auch der tiefenpsychologische Hintersinn dieser grandiosen Aufführung im Sinne des guten, alten, aber nicht veralteten Bert Brecht.... Die Revolution ist eine Zeitbombe!



> Material zum Stück

> Artikel des „Deutschlandfunks“ als pdf

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